
Brno, Tschechien – Aufbruchstimmung herrschte bei der diesjährigen Generalversammlung der European Union of Science Journalists’ Associations (EUSJA) vom 26.03. bis 29.03.2026 in Brno, Tschechien. Der erst Ende 2025 neu gewählte EUSJA-Vorsitzende Fintan Burke präsentierte die ersten Ergebnisse, die der neue vierköpfige Vorstand, darunter TELI-Mitglied Dino Trescher, binnen weniger Wochen erzielt hatte: Website-Relaunch umgesetzt, Social-Media-Aktivitäten wie die eigene Gruppe bei LinkedIn neu gestartet, erste Veranstaltungen erfolgreich durchgeführt, darunter drei hochkarätige Webinare allein im Januar und Februar 2026 abgehalten, u.v.m. Die anwesenden Delegierten aus zwölf der aktuell noch 15 Mitgliedsländer (die Balkan-Staaten werden sich in Kürze der EUSJA anschließen wohingegen Russlands Mitgliedschaft wegen des Ukraine-Kriegs derzeit suspendiert ist) quittierten diese Erfolgsbilanz mit starkem Applaus.

Intensives Werben um neue Mitglieder
Ein wichtiger Punkt auf jeder EUSJA-Generalversammlung ist der gegenseitige Erfahrungsaustausch. Die meisten Wissenschafts- und Technik-Journalismus-Verbände haben weiterhin Schwierigkeiten, jüngere Mitglieder zu gewinnen. Einige Verbände sind mit folgenden Ansätzen erfolgreich:
- Mentoring-Programme
- Direkte Ansprache potenzieller Interessenten, persönliche Einladung zu Veranstaltungen
- Veranstaltungen, etwa zur Wahl von Wissenschaftsjournalisten des Jahres oder der besten Technik-Kommunikation des Jahres
- Sommercamps und Spezialmessen mit Fachvorträgen
- Niedrige Mitgliedsbeiträge für Studierende und Berufseinsteiger
Von einer interessanten Entwicklung in Schweden berichtete die schwedische Delegierte Cecilia Odlind, Wissenschaftsjournalistin: Vor der Hintergrund der Covid-Epidemie sei das Interesse an Wissenschafts-Journalismus stark gestiegen, sodass sich der deutliche Ausbau der entsprechenden Ressorts auch wirtschaftlich rechne.

Engere Zusammenarbeit mit der Europäischen Union
Einen Schwerpunkt legte die EUSJA-Führung neben dem Ausbau der internen und der externen Kommunikation auf die engere Zusammenarbeit mit EU-Gremien. So arbeitet die Vizepräsidentin der EUSJA, Cinzia Boschiero, mit dem Europäischen Netzwerk für Frauen in Führungspositionen (WIL Europe) und dem Europäischen Netzwerk für die Förderung von Frauen in Führungspositionen zusammen, um Daten über Frauen in der Wissenschaft zu erheben. Ein Webinar, das noch vor Ende des laufenden Jahres 2026 stattfinden soll, will die Anforderungen des Gleichstellungsplans von „Horizon Europe“ für die Gewährung von Fördermitteln behandeln.
Um sich an EU-Förderprojekten zu beteiligen zu können, stehe die EUSJA mit Partnern in Kontakt, darunter „Kreatives Europa“ und ein von ISGlobal organisiertes Projekt namens „Horizont Europa“, an dem EUSJA eventuell als dritter Partner mitwirken wird.
Das Projekt „European Citizen Science“ entwickelt einen Online-Kurs für Bibliotheken, um sie in die Citizen Science (Bürgerwissenschaft) einzuführen. Unter Citizen Science versteht man Forschungsprojekte, die interessierte Laien entweder komplett selbst durchführen oder an denen sie mitwirken. Die EUSJA wird diesen Kurs 2026 und 2027 unterstützen.
Die EUSJA fordert die EU-Behörden nachdrücklich auf, Wissenschaftsjournalisten für die Faktenprüfung finanziell zu unterstützen. Das Manifest der EUSJA ist online verfügbar. Es soll den Mitgliedern des Europäischen Parlaments noch in diesem Jahr vorgelegt werde. Die Mitglieder sollten es weiter verbreiten.
Spannendes Rahmenprogramm
Die EUSJA-Generalversammlung war begleitetet von einem anspruchsvollen Rahmenprogramm, das einmal mehr Marina Hužvárová organisiert hatte. Sie ist die Chefredakteurin des Academic Bulletin at Academy of Sciences of the Czech Republic und langjährige Präsidentin des tschechischen Verbandes für Wissenschafts-Journalismus. Ihr zur Seite stand erstmals der aus Prag stammende Wissenschafts-Journalist Pavel Farkas – tatkräftig unterstützt von der örtlichen Journalisten-Organisation Syndikát Novináru Jizní Moravy.

Die EUSJA-Delegierten sahen die Water Tanks von BRNO, ein bis 1997 betriebenes Wasserspeichersystem, besuchten das CEITEC (Central European Institute of Technology) der Technischen Universität von BRNO und tauschten sich direkt mit Forschern des Institute of Scientific Instruments Czech aus.
Weitere Stationen der Bildungsreise waren unter anderem das Mendel-Museum und die Besichtigung der Villa Tugendhat, die zu den wichtigsten Meilensteinen moderner Architektur zählt.

Wunsch nach Mehr
Nach dem Willen des EUSJA-Vorstands und der anwesenden Delegierten soll es künftig deutlich mehr dieser Angebote geben. Einhellige Meinung: Bildungsreisen zu wissenschaftlich wichtigen Einrichtungen und der direkte Austausch mit der Wissenschaft zählen zu den Kernkompetenzen der EUSJA — und sind vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Umwälzungen wichtiger denn je.













