Pressearbeit 1968, als mit Wachsmatrizen kommuniziert wurde

Der erste Pressereferent der Ludwig Maximilians Universität München Dietmar Schmidt erinnert sich an 1968. Teach-Ins und Go-Ins vertrieben den Muff von 1000 Jahren. Er selber brachte frischen Wind in uns heute unvorstellbar überaltert vorkommende Kommunikationsformen.

Dietmar Schmidt, der ehemalige und rührige Vorsitzende des TELI Regionalkreises Süd*, ist ein Stück lebende Geschichte der Ludwig Maximilians Universität LMU München. Er wurde 1968 der erste Pressereferent der LMU und leitete die Pressestelle bis zum Jahr 2000. In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Münchner Uni Magazins MUM („Die Uni war und ist mein Leben“, S. 30f) erinnert Schmidt sich an die alten Zeiten, mit für unser Hyperkommunikationszeitalter kaum mehr vorstellbaren Techniken.

Keine Kopierer

Vor 50 Jahren, da gab es an der Uni noch keine Kopiergeräte. Wer etwas vervielfältigen wollte, schrieb mit der Schreibmaschine auf eine Wachsmatrize. Auf eine Trommel gespannt, wurde der Text auf Papier übertragen, mitunter unleserlich und verschmiert.

„Auch Fernschreiber gab es noch nicht“, berichtet der ehemalige Pressereferent. Als der erste dieser klobigen Kästen in die Physik-Fakultät einzog und die Pressestelle ihn mitbenutzen durfte, war endlich eine schnelle Brücke zur Außenwelt geschaffen. 1972 setzte Schmidt eine eigene Druckerei durch. Sie ermöglichte den Druck eines regelmäßig erscheinenden Universitätsmagazins.

“Eilt — bitte sofort weiterleiten”

„Transparenz war mir das wichtigste Anliegen in diesem Pionier-Job, nach innen wie nach außen“, erzählt Dietmar Schmidt bei einem Fototermin für diesen TELI-Report bei einer Maß Bier in seinem Schrebergarten im Münchner Norden. Seit Wochen hat es in diesem Hitzesommer nicht geregnet. Tomaten und Rosen wollen regelmäßig gewässert werden (Foto © Goede).

Der damals 29-Jährige, vom Jobangebot der LMU aus einer unvollendet gebliebenen Doktorarbeit über Wissenschaftshistorie gerissen, nahm an jeder Senatssitzung teil (insgesamt 250 in seinem Berufsleben). Im Anschluss setzte er darüber die Öffentlichkeit sogleich mit einer Pressemitteilung in Kenntnis. Nach Abstimmung des Textes mit dem Kanzler und Rektor brachte Schmidt den Pressetext persönlich in die Redaktionen. Dafür lieh ihm der Kanzler sein Auto. Um dem Schreiben von der Hochschule bei den Münchner Medien den nötigen Nachdruck zu verleihen, wurde ein Spezialstempel angefertigt mit der Mitteilung: „Eilt – bitte sofort weiterleiten.“

Wochenenden ohne Telefon

Mit 1968 verbindet Schmidt hauptsächlich zwei „Ins“: Teach-Ins und Go-Ins. Viel aufregender war für ihn die große Zeit der Herztransplantationen in den 1980ern. Er versah die Pressearbeit, mit wöchentlichen Pressekonferenzen, erlebte, wie bei prominenten Patienten Reporter in weißen Kitteln sich einzuschleichen versuchten, wurde von der Presse richtig bedrängt, auch zuhause angeläutet, sodass die Anrufer mitunter bei seinen Kindern landeten.

Ein erfülltes Berufsleben, am Puls der Forschung und Durchbrüche, hektisch, gleichwohl auch mit verdienter Ruhe, wie es Pressereferenten heute kaum mehr vergönnt ist. An Wochenenden zog sich der LMU-Pressereferent mit seiner Familie in sein Ferienhaus im Chiemgau zurück. Das einzige Telefon dort weit und breit gehörte zu einer Zimmerei. Bis zum Montag war Schmidt unerreichbar, und das war auch gut so.

*) Dietmar Schmidt 75 – Gastgeber von zehntausend Menschen

 

 

 

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