
In seinem zweiten Werk zum Thema „Unabhängigkeit von fossilen Energien“ plädiert Wissenschaftsjournalist Jean Pütz erneut für Methanol als praktikablen und wirtschaftlichen Träger für die weltweite Energieversorgung.
Er bricht eine Lanze für die Ernte von Solarenergie in sonnenreichen Gegenden der Welt und kritisiert die staatlich geförderte Wasserstoff-Technologie als weltfernen, teuren und schwer handhabbaren Irrweg, der zudem keine Lösung für die CO2-Verseuchung der Erdatmosphäre darstellt.
Dennoch setzt Pütz in seinem Lösungsansatz auf großindustriell erzeugten Wasserstoff. Danach wird elektrische Energie aus großflächigen, Gigawatt-starken Photovoltaik-Anlagen gewonnen. Der Strom betreibt die Elektrolyse von Wasser, also dessen Spaltung in Sauerstoff und dem gewünschten Wasserstoff. Wasserlieferant ist zum einen die selbst in Wüsten allgegenwärtige Luftfeuchtigkeit. Zum anderen scheint heute selbst die Salzwasser-Elektrolyse kein Problem mehr zu sein, was Wüsten mit angrenzendem Meerwasser, etwa in Namibia, als attraktive Produktionsorte ins Blickfeld rückt.
Aber anstatt das hochreaktiv-gefährliche Wasserstoffgas dann unter Druck und sehr energieintensiver Kühlung zu verflüssigen, um es für Tankschiffe transportfähig zu machen, will Pütz den Wasserstoff über einen chemischen Prozess an Kohlendioxid (CO2) binden und so das ungefährlichere Methanol (CH3-OH) erzeugen, das bei Umgebungstemperatur flüssig ist. Das CO2 soll am gleichen Ort – ebenfalls großindustriell – mit Photovoltaik-Strom per Direct Air Capture (DAC) aus der Atmosphäre abgeschieden werden.
Das wäre ein plausibler Weg, der Erderwärmung durch Verbrennung kohlenstoffhaltiger Energieträger entgegenzuwirken und der Atmosphäre gleichzeitig das klimaschädliche CO2 zu entziehen. Wirtschaftlich arbeitet das Verfahren allerdings nur, wenn der Solarstrom zu maximal ein Eurocent pro Kilowattstunde zu erzeugen wäre. So Pütz’ Co-Autor, der Wirtschaftsjournalist Andreas Dripke.
Das CO2 der Luft entzogen und in Methanol verwandelt: Damit ließe sich eine nahezu völlig klimaneutrale Kreislaufwirtschaft realisieren. Verbrennungsmotoren, vom Schiffsdiesel über Automotoren und Düsentriebwerken bis zu den ersten Stufen von Raketenantrieben arbeiteten dann CO2-neutral, weil das CO2, das bei der Verbrennung frei wird, vorher der Atmosphäre entzogen wurde.
Indes: Jean Pütz kommt erst in der Mitte seines netto 182 Seiten umfassenden Buches aufs Wesentliche: Methanol als umweltfreundliches, vor allem in der vorhandenen Gas-, Diesel- und Benzin-Infrastruktur verteilbares Speichermedium für Solarenergie darzustellen. Genau das macht die Alternative zur reinen Wasserstofftechnik, aber auch zum Erdgas (Methan, LNG), so attraktiv.
Die erste Hälfte des Buches enthält Grundsätzliches über Physik (Elektrizität, Thermodynamik), Chemie (Methanol vs. Methan vs. Ammoniak), auch Politikschelte sowie Erkenntnisse eines nunmehr 90-Jährigen, der auf sein Lebenswerk zurückblickt.
Kleinere Ungenauigkeiten lassen sich verschmerzen, etwa wenn Pütz Wasserstoff als Knallgas bezeichnet; oder wenn er in seiner Veranschaulichung des Linde-Verfahrens zur Gasverflüssigung die fürs Verständnis unerlässlichen Wärmeströme weglässt.
Insgesamt hätten dem Buch und seiner Kernaussage weniger Selbstzentrierung, dafür mehr Ordnung in der Argumentation – das Wesentliche zuerst, die No-Gos danach – gutgetan. Immerhin hält der Autor damit eine spannende Energietechnologie in der öffentlichen Diskussion und ermutigt mit einem umfangreichen Stichwortverzeichnis und präzisen Quellenangaben, tiefer in die Materie einzusteigen, ganz nach seinem Motto: Mehr Hirn, weniger Heureka.
Jean Pütz mit Andreas Drikpe, „Wie wir von fossilen Energien unabhängig werden – Mehr Rationalität statt Heureka-Politik“, DC Publishing, ISBN Paperback: 978-3-98674-216-4, 24,90 Euro; ISBN E-Book: 978-3-98674-217-1, 16,99 Euro











