Werkzeuge auch für Wissenschafts- und Technikjournalisten

Bild “Netzwerk”: idealclima, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de
Vor zwei Monaten hat Google im Rahmen seiner Google News Initiative (GNI) begonnen, unter dem Titel “GNI Live” eine Reihe von Schulungsvideos ins Netz zu stellen, die Journalisten helfen sollen, Ideen für Online-Stories zu finden, Fakten und Inhalte zu verifizieren, Fakenews zu entlarven und Online-Geschichten so zu erzählen, dass die Leser und Zuschauer mitgenommen werden (“story-telling”). 

Die Kurse dauern rund eine Woche und bestehen aus einstündigen Videos, die teilweise Mitschnitte von Life-Vorträgen sind, bei denen mitunter auch die Fragen und Kommentare der Teilnehmer eingeblendet sind. Man findet sie auf YouTube.

Kritisches Geld

Gewiss, es gibt reichlich Kritik an Google. So sei das Unternehmen eine “Datenkrake”, was eigentlich eine Beleidigung der echten Kraken ist, der Octopoden. Weidlich bekannt sind auch die Geschichten zu den Steueroptimierungen in Offshore-Oasen oder über die Drohnenprojekte mit dem US-Militär. Sie zeigen, dass Google sein Geld nicht immer auf saubere Art verdient.

Aber Google hat erkannt, dass es ihm noch besser geht würde, wenn es auch den Inhaltsproduzenten, den Medien, besser geht. So kommt die deutsche Medienlandschaft um den Such-Giganten inzwischen nicht mehr herum, zumal er inzwischen auf die Verlage zugeht und für Inhalte zahlt. Für die Urheber der Inhalte, die freien Autoren, fällt dabei allerdings kaum etwas ab.

Es sind vor allem die klassischen, etablierten Medien, die mit hunderttausenden von Euro gesponsert werden, wie Spiegel, TAZ, Funke-Mediengruppe, Wirtschaftswoche, Berliner Tagesspiegel oder die Mittelbayerische Zeitung. Startups sind kaum dabei. Eine der Jungunternehmens-Ausnahmen ist Steady, die Ausgründung der Krautreporter, ein Bezahldienst für digitale Medien, wodurch sich Blogs wie das medienkritische Online-Magazin Übermedien und Podcasts wie das Soziopod finanzieren können. Auffällig ist aber, dass in der Empfängerliste die Verlage von Axel Springer und Hubert Burda fehlen, aber auch die Süddeutsche Zeitung.

Mehr dazu bei Netzpolitik.org. Einen kritischen Beitrag gibt es auch in der Süddeutschen.

Wertvolles Wissen

Bei aller Kritik an dem Suchmaschinen-Konzern, es scheint derzeit keine bessere Plattform zu geben, die für Journalisten derart umfangreich Recherche-, Verifizierung- und Schreibwerkzeuge samt Schulungsmaterial anbietet wie Google.

Eine auf den ersten Blick relativ unabhängige Quelle für Factchecking wäre die üppige Liste der Journalist’s Toolbox der Society of Professional Journalists SPJ. Diese Gesellschaft bietet ebenfalls Schulungsvideos an. Allerdings: Auch die SPJ wurde einst von Google finanziell unterstützt.

Ideen zur Themenfindung oder für Datenbanken zum Factchecking wurden immer mal wieder auch bei der Weltföderation der Wissenschaftsjournalisten WFSJ, bei der Europäischen Union der Wissenschaftsjournalistischen Verbände EUSJA und in der TELI diskutiert. Mangels Finanzierung ist jedoch fast alles in guten Ideenspielen stecken geblieben. Herkömmliche Dienste, wie IDW-Online oder AlphaGalileo, bedienen als Newsticker eher die klassische Art, Journalismus zu betreiben. Hilfreicher ist da schon das deutsche Science Media Center, das sehr hilfreich ist, wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen in größere Kontexte einordnen will.

Nichtsdestotrotz ist es durchaus hilfreich, sich bei der GNI auf den neuesten Stand zu bringen und einzutauchen in die vielfältigen Möglichkeiten, die Journalismus heute bieten kann. Es mag stören, dass Googles Geld nicht ganz sauber ist, aber wir machen uns ja auch kaum Gedanken darüber, dass die Bestandteile unserer Computer, Smartphones, E-Autos, ja, unsere ganze Energiewende mit ihren Wind- und Sonnenkraftwerke auf immensen Umweltzerstörungen und vielfacher Sklaven- und Kinderarbeit beruht.

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