Abschied von Friedrich Staats

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Am 30. Mai 2002 ist, wie wir leider erst jetzt erfahren, Dr-Ing. h.c. August Friedrich Staats von uns gegangen: einer der Männer „von früher“, von einer Idee begeistert, an der sie dann ihr Leben ausrichten.

Der am 27.10.1913 geborene Bremer studiert nach der Schule Elektrotechnik und beginnt sein Berufsleben just in einer Zeit, die Ingenieure fasziniert: Eine Neuentwicklung jagt die andere, wie das Hans Dominik, der Journalist, Schriftsteller und TELI-Mitbegründer in seiner Autobiografie so treffend beschreibt.

Schon 1934 beschäftigt sich Staats mit der Fernsteuerung von Geräten, erwirbt ein Patent dazu für elektroakustische Anlagen. Kein Wunder also, dass er in Peenemünde landet, abkommandiert zur Forschungsstelle für Raketen- und Fernlenkwaffen in das Entwicklungsteam für die Fernlenk-, Steuerungs- und Messtechnik von Dr. E.-A. Steinhoff. Hier lernt er sie alle kennen, die gerade Technikgeschichte schreiben: Wernher von Braun, Prof. Ernst Stuhlinger, Dr. Walter Dornberger, aber auch Hermann Oberth und viele andere Zeitgrößen. Seitdem fasziniert ihn das Ziel dieser Männer, mit Raketen den Weltraum zu erschließen.

Das Kriegsende – ein jäher Bruch: Staats landet beim Schweißen, wird Oberingenieur, Direktor der Vereinigten Acetylenwerke Hannover. Doch die Raketen lassen ihn nicht los. Am 21.09.1952 wird er – noch unter Besatzungseinschränkungen – Mitbegründer und Erster Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik“ (DAFRA), aus der dann unter seiner Präsidentschaft nach der „Deutschen Raketengesellschaft“ (DRG) 1963 durch Namenswechsel die „Hermann-Oberth-Gesellschaft e.V.“ (HOG) hervorgeht.

1990 legt Staats seine Präsidentschaft in jüngere Hände, wird zum Vizepräsidenten gewählt und zugleich zum Ehrenpräsidenten ernannt. Es folgen Verhandlungen, welche 1993 mit anderen Organisationen auch die HOG in der „Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt Oberth – Lilienthal“ (DGLR) aufgehen lassen.

Freiberuflich ist Staats zeitweise Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift „Astronautik“ und findet so Ende 1970 zur TELI. Im Jahre zuvor gründet er und leitet seither die Internationalen Raumfahrtkongresse in Salzburg, erhält dafür das Goldene Ehrenzeichen der Landesregierung. Überhaupt ist er vielfach geehrt: u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, dem Ehrendoktor der Universität Barcelona, 1994 mit der „Wernher-von-Braun-Ehrung“ der DGLR, deren Ehrenmitglied er auch wird. In der TELI arbeitet er als Vereinsrechts-Experte an der heute noch geltenden Satzung von 1987 mit, ist von 1980 bis 1997 Mitglied des Schiedsausschusses.

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