Zum Tode von Manfred Kluth: Ein diamantener Bund

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Das ist und bleibt vermutlich Rekord: 61 Jahre lang war Manfred Kluth der TELI in treuer, diamantener Mitgliedschaft verbunden. Er trat ihr bereits im jugendlichen Alter von 22 Jahren bei. Das war kein Zufall: Sein Vater, Heinrich Kluth (1902 – 1986), war 1929 in Berlin einer der Mitbegründer der TELI gewesen; er steuerte sie durch die schwierigen Zeiten des Nationalsozialismus, war ihr Neubegründer in den 1950er Jahren, erneut Vorsitzender, Ehrenvorsitzender und zeit seines Lebens profilierter Technik- und Wissenschaftsjournalist (Herausgeber von Orion, der “Zeitschrift für Jedermann”, dem Vorläufer von “Bild der Wissenschaft”). Das blieb kleben. Sohn Manfred (Otto Max) berichtete einmal auf einer TELI-Süd-Veranstaltung in München, dass er TELI, Technik- und Wissenschaftsjournalismus praktisch mit der Muttermilch eingesogen hatte. Alles in seiner Familie hatte sich darum gedreht. So war sein Weg vorgezeichnet. Der am 12. Juli 1932 in Berlin Geborene studierte in den frühen 1950er Jahren in München. Nach einem Studienaufenthalt in den USA von 1952 bis 1953 trat er am 1. April 1954 der TELI bei. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als Deutschland-Redakteur einer US-Fachzeitschrift. Später machte er sich als Verleger einen Namen. Er gründete und gab die Zeitschrift “Elektronikentwicklung” heraus. Der Amateurflieger hatte den Ehrgeiz, der Technik auf den Grund zu gehen, ganz tief. “Ich gehöre zu den Leuten, die befragt, wieviel Uhr es ist, immer erst erklären müssen, wie eine Uhr funktioniert”, soll sich Manfred Kluth einmal selbst beschrieben haben.

1961 wurde er als stellvertretender Vorsitzender in den TELI-Vorstand gewählt (ein Amt, das er allerdings nur für ein Jahr versah). Gleichzeitig übernahm er die TELI-Geschäftsführung von seinem Vater Heinrich. In der Folgezeit machte er sich besonders bei der Sicherstellung der wertvollen TELI-Archivalien verdient. Diese waren bei Bombenangriffen während des Krieges weitgehend verloren gegangen. Viele Dokumente, hauptsächlich aus der TELI-Nachkriegshistorie, lagern heute im Deutschen Museum, laut Chefarchivar Dr. Wilhelm Füßl “ein wichtiger Bestandteil für die technisch-wissenschaftliche Kultur in Deutschland und die Translozierung technischen Wissens in die Massenmedien, ein Thema, das in der historischen Forschung immer wieder untersucht wird” (1). Unter diesem Gesichtspunkt werden Manfred Kluths Verdienste für die TELI und die Nachwelt umso sichtbarer. Dafür war ihm bereits ab 1991 eine lebenslange Beitragsfreiheit zuerkannt worden. Durch den Zugriff auf Dokumente seines Vaters und der Vertrautheit mit dem Verein seit den Gründertagen hat Manfred Kluth TELI-interne Geschichte um- und mitgeschrieben. Laut einem Fund, den er 1999 meldete, wurde die TELI nicht in Berlin wiederbelebt. Die erste TELI Nachkriegsversammlung fand am 29. April 1952 auf der Hannovermesse statt. Nach der Jahrhundertwende war Manfred Kluth vom damaligen TELI Historiker Hans Christian Förster über die Gründungs- und Kriegsgeschichte des Vereins befragt worden. Daraus und aus dem Kluth-Archiv entstand die Publikation “Am Anfang war die TELI”. Sie würdigt die historische Vorreiterrolle des Vereins als erste Vereinigung von Technikjournalisten in der Welt. Gleichzeitig setzt sie sich kritisch mit der zu angepassten Rolle ihrer Mitglieder im Dritten Reich auseinander, einschließlich der des damaligen Vorsitzenden Heinrich Kluth. Ohne die Mithilfe von Sohn Manfred wäre die Schrift in dieser Form kaum möglich gewesen. Sie erschien 2007 und hebt die TELI in den Rang der ersten Journalistenvereinigung in Deutschland, die ihre NS-Geschichte aufgearbeitet hat. Auch dafür sei Manfred Kluth gedankt! Am 21. August 2015 starb er 83-jährig im oberbayerischen Murnau.

Wolfgang C. Goede mit Recherchen von Manfred Bormann in TELI Archivalien

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